Definition Reiseroman

Ferne Länder und aufregende neue Welten – das verheißt uns der Reiseroman. Doch was hat ein Reiseroman noch zu bieten, was kennzeichnet ihn und was grenzt ihn von anderen Literatur Genres und Kategorien ab? Antworten darauf liefert dieser Beitrag aus meiner Reihe rund um die Welt der Literatur!

Reiseroman

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Definition Reiseroman

Ein Reiseroman erzählt von den Erlebnissen des Hauptcharakters während einer Reise in andere Länder und Städte. In der Regel ist die Erzählung in Abreise, Aufenthalt und Rückkehr des Protagonisten gegliedert. Dabei macht der Protagonist bis zu seiner Rückkehr meist eine Entwicklung im Vergleich zum Zeitpunkt der Abreise durch, die ihn oft auch mit völlig neuen Ansichten und Erkenntnissen prägt. Die Orte mögen real sein aber die Erzählung ist fiktiv. Dadurch unterscheidet sich der Reiseroman vom Reisebericht! Auch stehen im Reiseroman die Unterhaltung und die Entwicklung des Protagonisten im Vordergrund und nicht die Informationen zu den bereisten Orten.

Subgenres Reiseroman

Im Reiseroman lassen sich vor allem zwei Subgenres voneinander unterscheiden:

  1. Abenteuerroman: Kennzeichnend ist hier während der Reise das Motiv der Gefahr. Der Protagonist findet sich in abenteuerlichen, gefährlichen Situationen wieder, die er meistern muss.
  2. Schelmenroman: Im Mittelpunkt steht ein recht einfach gestrickter aber gewitzter Protagonist. Er ist mit seinen bisherigen Lebensumständen meist unzufrieden und gerät mehr oder weniger freiwillig in eine neue, oft auch abenteuerliche Situation. Man bezeichnet den Schelmenroman auch als pikaresken Roman mit Ursprüngen aus Spanien. Als moderneres Beispiel des Schelmenromans kann „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson herhalten.

Ein Beispiel aus der Praxis – Ilija Trojanows „Der Weltensammler“

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In seinem erstmals 2006 erschienenen Roman tauchen Leser und Protagonist in ein Potpourri der Kulturen ein. Als Protagonist wählt Trojanow den englischen Entdecker Richard Burton, der tatsächlich existierte. Jedoch erhält die Figur durch seine zahlreichen Reisen und Erlebnisse einen fiktiven Rahmen. Eben dieser fiktive Richard Burton reist zunächst im Rahmen der englischen Kolonialisierung des 19. Jahrhunderts nach Indien. Anstatt hier seinen kulturellen Gewohnheiten weiter zu folgen, fängt er an sich intensiv mit den einheimischen Gewohnheiten und Bräuchen auseinanderzusetzen und sie zu adaptieren. Er lernt verschiedene Sprachen bis beinahe zur Perfektion, studiert die Religionen und gibt sich sogar als Einheimischer aus. Diese Auseinandersetzung mit anderen Kulturen führt er auch in Arabien und Afrika fort, wo ihn seine weiteren Reisen hinführen.

Was diesen Reiseroman so besonders macht ist, dass der Protagonist diese neuen Kulturen nur als fremde Kulturen erlebt. Richard Burton versucht verzweifelt und mit größter Anstrengung diese Kulturen förmlich aufzusaugen und zu einem Teil seiner selbst zu machen. Ob er es geschafft hat oder nicht ist zunächst irrelevant. Wichtig für die Definition des Reiseromans ist, dass Richard Burton am Ende seiner Reise nach England zurückkehrt und ein völlig anderer Mensch ist, der er vor seiner Reise war.

 

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