Autoren-Adventskalender Tag 8 Ragnar Guba

Mit seinem Gastbeitrag füllt der Autor Ragnar Guba heute das achte Türchen von unserem Autoren-Adventskalender. Was Weihnachten und eine alte Waschmaschine miteinander zu schaffen haben, darüber hat er sich in der weihnachtlichen Kurzgeschichte „Der Weihnachts-Schaum“ Gedanken gemacht.

Der Weihnachts-Schaum (von Ragnar Guba)

Vater hatte sich für dieses Weihnachten etwas ganz besonders großes für Mutter einfallen lassen. Er bekam von seiner Firma einen Jahres-End-Bonus von fünfhundert Euro, von dem sie nichts wusste, und er wollte eine neue Waschmaschine kaufen. Die alte war schon zwölf Jahre alt und wusch wirklich nicht mehr so gut, wie am Anfang. Also musste eine neue her und da kam ihm sein Bonus gerade recht.
Jetzt musste er nur noch überlegen, wie er die neue Waschmaschine in die Wohnung bekam, ohne dass Mutter etwas bemerkte. Am besten wäre es, er würde sie nochmal mit den Kindern bummeln oder einkaufen schicken. Lara war zwölf, wie die alte Waschmaschine, und ihre Schwester Nora zwei Jahre jünger. Alle drei liebten einkaufen und das konnte Stunden dauern. Genau so wird er es machen.
Am Telefon hatte er die Lieferfirma überreden können, die Waschmaschine erst am 24. Dezember vormittags zu liefern. Wo sollte sie Vater auch vorher verstecken und dann vielleicht alleine in die Wohnung bringen? Dafür war sie zu schwer.
Seine Frau und die beiden Mädchen überredete er, am Heilig Abend gleich am frühen Vormittag in die Stadt zu fahren zum Shoppen und sie sollten dort auch gleich was zu Mittag essen. Er würde so lange zu Hause alles vorbereiten und zu Recht machen. Er erwartete sie erst wieder gegen sechzehn Uhr. Alle waren damit einverstanden, aber Mutter musste unbedingt noch eine Ladung in die Waschmaschine werfen und anschalten.

Als die drei das Haus verlassen hatten, fing Vater an, den Baum aufzustellen und zu schmücken. Er räumte die Stube auf und machte Kartoffelsalat für den Abend.
Dann klingelte auch schon die Lieferfirma. Aber sie wollten die Waschmaschine nur bis zur Haustür bringen. Vater nahm zwei 20-Euro-Scheine aus seinem Portemonnaie und ging die drei Etagen runter. Mit dem Extra-Geld für die beiden Lieferanten konnte er sie überreden, die Maschine bis in den 3. Stock und in die Stube zu tragen.
Gerade als die beiden Männer wieder gegangen waren, kam eine SMS von seiner Frau, dass sie in einer Stunde da sein würden. Somit legte er eine große Tischdecke über die Waschmaschine und erledigte schnell den Rest der Vorbereitungen. Er stellte an der Musikanlage besinnliche Weihnachtsmelodien ein, machte die Stubentür zu und ging nach unten, um seiner Frau und seinen Töchtern entgegen zu gehen. Meist hatten sie ordentlich zu tragen, wenn sie vom Shoppen heim kamen.

Er musste noch zehn Minuten auf dem Gehsteig warten, bis ihr Auto endlich ankam. Und er sollte Recht behalten, sie hatten einige Tüten und Kartons zum hoch tragen mitgebracht. So nahm er den dreien den größten Teil ab und ging hinter ihnen die Treppen hoch.
Als Mutter die Wohnungstür aufschloss, musste sie laut aufschreien. Lara und Nora hingegen fingen an zu lachen und wollten gar nicht mehr damit aufhören. Vater wusste nicht, warum, denn er brauchte noch einen Moment, bis er ebenfalls an der Tür war. Jetzt sah er, was der Grund des Schreiens und des Lachens war: der ganze Wohnungsflur stand voller Schaum. Und zwar fast bis zur Decke. Die alte Waschmaschine warf immer mehr Schaum aus und Vater ließ alle Tüten und Kartons fallen und ging in die Wohnung. Mutter stand immer noch geschockt davor und bewegte sich keinen Millimeter. Vater zog den Stecker von der Waschmaschine und der Schaum daraus wurde weniger. Und im Hintergrund hörte man leise die schöne Weihnachtsmusik.
Die beiden Mädchen stürzten sich in den Schaum, der herrlich nach Frühling duftete, und versuchten ihn einzufangen und damit zu spielen. Mutter fand das gar nicht lustig und fing an zu weinen. Was nützt ihr der schönste Einkauf, wenn nun die Waschmaschine kaputt und die halbe Wohnung beschädigt war. Im Hintergrund hörte man leise die schöne Weihnachtsmusik.

Vater versuchte, sie zu beruhigen und fing an, mit Lappen und Schwämmen den Schaum aufzuwischen. Zu seinen Töchtern meinte er, dass sie genug mit dem Schaum gespielt hätten und sie ihm helfen sollen. Das taten sie dann auch. Mutter hatte inzwischen alle mitgebrachten Tüten und Kartons ins trockene Schlafzimmer gebracht, setzte sich auf das Bett und weinte weiter. Und im Hintergrund hörte man leise die schöne Weihnachtsmusik.
Nach einer halben Stunde waren sie mit dem sauber machen fertig und Vater sagte zu ihnen, dass sie sich umziehen und für die Bescherung fertig machen sollen. Er hingegen ging ins Schlafzimmer und versuchte Mutter ebenfalls zur Bescherung zu überreden. Aber sie wollte nicht, ihr ganzer Tag und das Weihnachtsfest waren verdorben durch die kaputte Waschmaschine. Aber im Hintergrund hörte man immer noch leise die schöne Weihnachtsmusik.

Schließlich kamen beide hübsch angezogenen Mädchen auch ins Schlafzimmer der Eltern und überredeten Mutter, doch mit zu kommen. Ohne jedes Lächeln folgte sie den dreien und Vater öffnete feierlich die Stubentür. Man hörte, nun etwas lauter, die schöne Weihnachtsmusik und alle bewunderten den bunt geschmückten Baum und die Geschenke, die darunter lagen.
Da Mutter die Decke über der neuen Waschmaschine noch nicht bemerkt hatte, ging Vater hin und sagte feierlich:
„Mein Schatz, wir lassen uns doch nicht von so einer blöden, alten und kaputten Waschmaschine Weihnachten verderben! Oder?“
Mutter blickte nur erstaunt, denn sie wusste nicht, was er meinte.
Vater nahm die große Tischdecke und zog sie herunter. Mutter war verwundert, als sie bemerkte, dass sich darunter eine neue Waschmaschine verborgen hatte.
„Wie hast du das geschafft? Erst geht die alte Waschmaschine kaputt und keine Stunde später steht eine nagelneue in unserer Stube!“
„Ich dachte schon länger daran, einmal eine neue zu kaufen und da ich in diesem Jahr einen Jahres-End-Bonus von fünfhundert Euro bekommen habe, hab ich für uns einfach eine neue gekauft“, sagte Vater.
Mutter fiel ihm vor Freude um den Hals.

Und im Hintergrund hörte man die schöne Weihnachtsmusik…

Über Ragnar Guba

Der Autor Ragnar Guba begeisterte sich bereits als Kind für Märchen. Mit 13 Jahren fing er an, Gedichte zu schreiben. Inzwischen gibt es davon über 200, von denen einige unter www.der-dichter.de.tl veröffentlicht sind.

Seit März 2014 schreibt Ragnar Guba Märchen. Trotz den bereits 25 Märchen und 5 Weihnachtskurzgeschichten, mangelt es ihm an Ideen nicht.

Mehr über den Autoren und seine Werke finden Sie auf der Seite http://neue-maerchen.de.tl/.

 

 

Hier geht´s zum Autoren-Adventskalender mit allen (bisher) geöffneten Türchen. Bis zum 24.12.2017 öffnet sich täglich ein neues individuell bestücktes Türchen der teilnehmenden Autorinnen und Autoren. Vorbeischauen lohnt sich!

1 Comment

  • Andrea Dezember 8, 2017 at 9:22 am

    Naja…

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