Testleser

Testleser (Teil 1): Auftakt zur Mini-Reihe „Testleser“

Obwohl ich aktuell gar nicht so richtig weiß wo mir der Kopf steht (die erste eigene Buchveröffentlichung mitverfolgen, Autoren-Adventskalender 2017 betreuen und promoten, auf Weihnachten vorbereiten, …), konnte ich mir einen neuen Blogbeitrag trotzdem nicht kneifen 😉 Und weil das Thema mehr hergibt als ich anfangs dachte, gibt es direkt einen Auftakt zu einer Mini-Reihe: Testleser!

Über Testleser gibt es so allerhand zu wissen. Dabei gibt es vor allem zwei Perspektiven: Die der Autoren – und die der Testleser! Das Thema bietet einen schönen Diskussionsstoff, der in den nächsten Wochen zu einer kunterbunten Reihe auf meinem Blog führt. Besonders spannend werden die Interviews, die ich mit Experten (also mit Autoren und Testlesern) zu dem Thema führen darf. Bevor es so weit kommt, möchte ich aber zunächst zu einem einheitlichen Wording kommen. Daher klären wir erstmal die Grundlagen, bevor es ans Eingemachte geht!

Wie genau definieren wir hier die Testleser?

Wir können die Testleser in zwei wesentliche Gruppen einteilen:

  • Zum einen halten nicht selten Freunde und Verwandte als Testleser her. Eine objektive Meinung zu bekommen, kann hier allerdings schwierig sein. Wenn ich Karlchen mag, fällt es mir vermutlich deutlich schwerer, eine „harte Kritik“ zu äußern. Womöglich sogar mit dem Hinweis, dass mir Karlchens Buch nicht gefällt. Mein Feedback als Testleser fällt deshalb vermutlich nicht ganz ehrlich aus – um Karlchens Gefühle nicht zu verletzen.
  • Zum anderen gibt es die „Fremden Dritten“. Testleser, die zum Spaß an der Freude vorab die Werke der Autoren lesen und ihr Feedback dazu geben. Hier können wir davon ausgehen, dass die Meinung objektiver ausfällt, denn die persönliche Bindung zu Karlchen gibt es (noch) nicht. Diese „Fremden Dritten“ können Autoren zum Beispiel in Foren, über speziell dafür eingerichtete Social Media Gruppen oder über einen Aufruf auf ihrer Website / ihren eigenen Social Media Kanälen finden.

Weshalb greifen Autoren gerne auf Testleser zurück?

Für viele Autoren sind die Testleser ein wichtiger Erfolgsfaktor zum Feintuning für ihr Buch. Sie sind diejenigen, die das fertige Werk vor allen anderen zu Gesicht bekommen und ihre (konstruktive) Kritik zum Inhalt abliefern. Oft führt das anschließend zu einer weiteren Überarbeitung durch die Autoren, wodurch die Story mehr Drive bekommen kann. Erst dann geht das Manuskript an Verlage, Agenturen – oder in die finale Datei für das Selfpublishing.

Weil eine Medaille zwei Seiten hat, ist das Thema „Testleser“ perfekt geeignet für einen kleinen Perspektivwechsel zwischen Autor und Leser. Dafür durfte ich zwei tolle Interviews führen, die das Thema aus jeweiliger Sicht zum Reihenauftakt kurz durchleuchten: xxx gibt Einblicke in die Autorensicht. Die Bloggerin XXX dreht den Spieß um und stellt die Sichtweise als Testleserin dar.

Interview aus Autorensicht mit Lars Mielke zum Thema „Anforderungen an die Testleser“

Autor Lars Mielke

Der Fantasy-Autor Lars Mielke stellt sich im Interview den Fragen, welche Anforderungen er an Testleser hat. Daneben liefert er aber auch wertvolle Tipps, die für (künftige) Testleser sicher interessant sind …

Katja: Auf welche „Gruppe“ greifst du bei deinen Testlesern gerne zurück?

Lars: Ich greife gerne auf eine Mischung aus beiden Gruppen zurück. Wobei ich mein Manuskript nicht an vollständig Fremde geben würde. Viel zu oft liest man Berichte von Autoren, die ihr unveröffentlichtes Manuskript auf Piratenplattformen wiedergefunden haben. Die Fremden Dritten sind also eher „entfernte Bekannte“.

Katja: Worauf legst du bei deinen Testlesern Wert? Was sind die wichtigsten Kriterien, die sie erfüllen sollten?

Lars: Ich gebe mein Manuskript nur an eine ausgewählte Gruppe an Testlesern. Ein kleiner, handverlesener Kreis. Von allen weiß ich, dass sie mit Sprache umgehen können. Von allen weiß ich, dass sie mir ehrliches und vor allem schonungsloses Feedback geben. Außerdem gehören alle meine Testleser der Zielgruppe des Buches an.  Ich bitte meine Testleser, alles aufzuschreiben, was ihnen auffällt, egal für wie belanglos sie es halten.

Katja: Welchen Tipp würdest du potenziellen (/ künftigen) Testlesern gerne mit auf den Weg geben?

Lars: Sprecht mit dem Autoren bevor ihr mit dem Lesen beginnt. Will er generelles Feedback oder interessiert ihn irgendetwas ganz bestimmtes? Gibt es einen Abgabetermin für das Feedback?

Generell gilt, als Autor habe ich mich mit meinem Manuskript bereits über hunderte oder gar tausende Stunden auseinandergesetzt. Ich kenne jedes Detail, weiß wie jeder meiner Charaktere aussieht, kenne jeden Zusammenhang. Dabei vergisst man leicht, dass der Leser das alles nicht weiß und dass man viele der Informationen nur im Kopf und nicht auf dem Papier hat.

Daher ist es für mich sehr wichtig, dass meine Testleser genau auf diese „Kleinigkeiten“ achten. Ist der Handlungsstrang schlüssig oder gibt es irgendwo offene Enden. Sind die Charaktere genau genug beschrieben oder möglicherweise sogar zu genau? Erfahre ich genug über das Innenleben des Protagonisten. Habe ich irgendwelche Aversionen gegen bestimmte Charaktere? Warum? Fehlt irgend eine Hintergrundinformation? Ist irgendetwas unverständlich? Gibt es Textstellen, die ich am liebsten überblättert hätte (war die Spannung zu hoch oder die Textpassage zu langweilig)? Gibt es Textstellen, welche die Story nicht voranbringen (unnütze Informationen)?

Und bitte seid ehrlich! Ja, der Autor wird im ersten Moment wegen all der roten Anmerkungen geschockt sein. Ja, er wird ein paar Stunden brauchen, bis er sich wieder beruhigt hat. Immerhin ist das Manuskript ein Teil des Autors. Kritik tut immer weh. Aber gebt das Feedback. Ein Autor der euch eure ehrliche Meinung übel nimmt oder gar nachträgt (um die er immerhin gebeten hat), hat euch nicht verdient.

Interview mit der Bloggerin Lea Phelina von Leasbuchblog aus Sicht von Testlesern zum Thema „Erwartungen an die Autoren“

Lea Phelina betreibt seit März 2017 ihren Blog Leasbuchblog. Neben Rezensionen tummeln sich hier verschiedene Beiträge rund um die Literatur – aber auch kleine „Ausflüge“ in die Alltagsdinge, die „nebenan passieren“.

Katja: Worauf achtest du, wenn du dich als Testleserin zur Verfügung stellst (zum Beispiel Genre, Bekanntheitsgrad des Autoren, etc.)?

Lea: Das ist einfach. Ich liebe die Genres Fantasy, Krimi und manchmal auch Romane im allgemeinen Bereich. Natürlich achte ich auch auf den Klappentext, denn das ist für mich enorm wichtig. Wenn mir der Klappentext nicht zusagt, dann lasse ich es auch bleiben. Denn schon im Klappentext bekomme ich ein Gefühl von „Ja, das könnte mir gefallen / Nein, das gefällt mir einfach nicht.“

Ob der Autor bekannt ist oder nicht, stört mich nicht. Mittlerweile arbeite ich sehr gerne mit kleinen Verlagen wie dem Eisermann Verlag oder dem Talawah Verlag zusammen. Auch Self Publisher sind bei mir sehr gerne Willkommen.

Für mich zählt das Buch und dann der Autor. Was nicht abwertend sein soll. Aber ich kenne den Autor nicht. Egal ob es sich dabei um Cassandra Clare oder um einen komplett unbekannten Autoren handelt. Ich behandle alle mit Respekt und Neutralität. Das ist wichtig, denn du willst ja nicht den Autoren rezensieren, sondern deren Buch.

Katja: Welche konkreten Erwartungen und Wünsche hast du an ein Manuskript, das dir zum Testlesen gesendet wird (zum Beispiel bezüglich Struktur, Stil, Rechtschreibung und Grammatik, etc.)?

Lea: Ich mag einen sehr flüssigen Schreibstil. Manuskripte die abgehakt beim Lesen sind, lassen sich für mich schwer lesen und somit fällt natürlich die Bewertung auch anders aus. Wenn jetzt der Autor aber kommt und sagt: „Hey, das ist noch nicht lektoriert worden, ist das für dich okay?“, dann ist das für mich vollkommen in Ordnung, denn dann bewerte ich das Buch auch völlig anders.

Aber ein Buch oder eBook, das durch ein Lektorat oder Korrektorat floss, da erwarte ich schon, dass es einen schönen Lesefluss hat und vor allem dass mich die Rechtschreibfehler nicht anspringen. Natürlich ist niemand perfekt und es schleichen sich immer wieder welche ein, das akzeptiere ich und finde es irgendwie auch einzigartig.

Ein bestes Beispiel ist: Harry Potter und der Gefangene von Askaban. In dem Buch gibt es einen Abschnitt, in dem etwa 30 Seiten fehlen. Es waren die Seiten 32 bis 64. Da ich das Buch nie gelesen habe, bin ich nur durch Zufall darauf aufmerksam geworden. Ich fand es sehr lustig und habe es damals auch Fotografiert. Aber die Seiten fehlen nicht nur einfach so, sondern wurden ersetzt. Durch die Seiten 365 bis 416.
Das Buch wird aus dem ersten Druck stammen und dabei wird dieser Fehler entstanden sein. Ich finde es nicht schlimm, denn es gibt meinem Buch den gewissen Charme 😉
Obwohl der Carlsen Verlag mir anbot es auszutauschen, habe ich abgelehnt, denn für mich hat das Buch einen emotionalen Wert.

Katja: Welchen Tipp würdest du (angehenden) Autoren gerne mit auf den Weg geben, die aktiv nach Testlesern suchen?

Lea: Die wichtigste Regel, die uns Blogger immer wieder aufregt: Wenn ihr uns anschreibt, dann immer mit „Hallo Lea..“ „Hey Lea..“ oder auch „Guten Tag Lea…“, niemals mit „Hallo du…“ „Hey du…“ oder ähnlichen Anfangen. Ich lösche solche Nachrichten gleich, denn ich fühle mich nicht angesprochen, sondern weiß genau, dass ich nur eine von vielen bin, deren Blog sich nicht mal angeschaut wurde.

Stellt euch vor. Das ist auch sehr Wichtig. Ich habe es gerne, wenn ich weiß, wer der Autor ist. Schreibt auch, warum ihr euch für mich entschieden habt. Was hat euch an meinem Blog oder meiner Facebook-Seite gefallen? Habt ihr schon von mir gehört? Wurde ich euch empfohlen? Solche Fragen und Gedanken sind nicht nur für euch, sondern auch für mich wichtig.
Ich bedanke mich für das nette Interview und vielen Dank, dass du mich ausgewählt hast.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen beiden Interviewpartnern! Damit ist Teil 1 der Mini-Reihe „Testleser“ auch schon beendet. Bald geht´s weiter – mit Wissenswertem und Experteninterviews …

Beitragsfoto © Martina Brunow Fotografie

6 Comments

  • Evy Dezember 5, 2017 at 7:12 pm

    Ich finde die idee super, das aus beiden Perspektiven zu beleuchten. Eine wirklich gute Idee 🙂 Leider ist die Begriffsdefinition nicht eindeutig, auch im Duden nicht. Als „Testleser“ werden manchmal auch Rezensenten betrachtet, die das Buch zum Erscheinungsdatum rezensieren.

    Das hat mich im Interview mit der Bloggerin irritiert – es klingt, als meinte sie das Vorab-Rezensieren, nicht das Testlesen inkl. Fehler-Aufzeigen…

    Ich fand das Interview mit dem Autor jedoch sehr offen und hilfreich 🙂

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    • Katja Dezember 8, 2017 at 10:44 am

      Liebe Evy, erstmal vielen Dank für deinen Kommentar – und für deinen Hinweis! Den nehme ich direkt mit in die weitere Reihe mit auf … Vielleicht kann ich dich ja sogar als Interview-Partnerin dafür gewinnen? 😉

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      • Evy Dezember 20, 2017 at 5:01 pm

        Das würde mich freuen, aber ich habe noch nicht genügend Erfahrung, um wirklich kompetent antworten zu können. Ich habe bisher nur wenige Projekte betreut. Ob das reicht? 🙂

        Reply
        • Katja Dezember 20, 2017 at 5:18 pm

          Ich bin mir ziemlich sicher, dass deine Antworten aufschlussreich sind und deine Erfahrung, wenn auch nicht extrem groß, prima in die Mini-Reihe einfließen kann! Wenn es für dich i. O. ist, würde ich dir die Tage einfach ganz frech direkt eine E-Mail schicken 😉

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          • Evy Dezember 21, 2017 at 1:57 pm

            Das ist ok 🙂

          • Katja Dezember 21, 2017 at 10:00 pm

            Oh prima, ich freu mich schon 🙂 Vermutlich komme ich aber erst nach Weihnachten dazu, dir eine E-Mail zu schreiben. Aber ich melde mich ganz sicher bei dir!

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